18 March 2017

Wie war's wirklich

Meine Wertung

Die süße Zeit der Ichsuche

Christian Stahl, der für Amazon den Erzählungsband "Wie war’s damals" präsentiert, schreibt: "In der amerikanischen Originalausgabe sind diese zwölf Erzählungen gemeinsam mit 'Rabbit, eine Rückkehr' publiziert, ein längerer Text über Updikes bereits gestorbenen Serien-Romanhelden Harry 'Rabbit' Angstrom und wie es mit dessen Familie weitergeht. Updikes deutscher Verlag hat sich entschieden, daraus zwei Bücher zu machen. Was schade ist, weil das gemeinsame Thema der mal melancholische, mal ironische Blick zurück ist." - Alles richtig, aber schade ist es nicht, denn die zwölf meisterhaften Erzählungen von John Updike stehen für sich und sind viel mehr als nur "Bonusmaterial" zum "Rabbit"-Thema. In seinen "Szenen aus den Fünfzigern" wendet sich der Autor, als alternder Antiquitätenhändler getarnt, direkt an den Leser: "Ob Sie es glauben oder nicht, Leser des Jahres 2000, die Fünfziger waren eine süße Zeit der Ichsuche, strotzend, wie mein Geschäft, von täglicher Erwartung und stillem Wert." Das gilt für die Leser des Jahres 2017 unverändert und die "süße Zeit der Ichsuche" endete nicht etwa mit den Fünfzigern; die drei Jahrzehnte danach kann man getrost hinzufügen und deshalb bleibt diese Suche nach den letzten Wahrheiten für Autor und Leser gleichermaßen aufregend.

12 March 2017

Round Trip from Pomerania in Prussia to Bukovina in Austria-Hungary

These are prints from photographic plates, which are for sure more than one hundred years old. They show the family of Georg Heinrich Traugott Kirsten, Protestants who lived between 1884 - 1888 in Stralsund in Pomerania on the southern shore of the Baltic Sea. In the year 1888 they moved to Stargard, where Georg became Royal Prussian Railways Director, subsequently Privy Council. He headed the Stargard Railways Repair Workshop, one of the dominant empolyers in Pomerania.


I recovered these photographic plates (and other 100+) on the occasion of my "2016 Motorcycle Ride to Bukovina" from "Adrian's Magnificent Chaos En Route to Suceava". In January I published under the headline "Bukovina or not Bukovina? • That is the Question!" a first photo series, which became increasingly popular. Apart from these eight photos, which were almost sure from Bukovina, all others were from Pomerania in Prussia. Enthusiastic about this find, the Stargard Museum of Archeology and History acquired all Stargard related photographic plates and will place them on display soon. The round trip from Pomerania in Prussia to Bukovina in Austria-Hungary came to an end. Exciting!

18 February 2017

Der Mann im Strom

Meine Wertung

Der Mann im Strom und der Kaiser von Äthiopien

Das Jahr, in dem dieser kleine, mehrfach verfilmte Roman von Siegfried Lenz spielt, lässt sich genau bestimmen. NDR Hamburg damals erinnert daran: "1954: Der Kaiser von Äthiopien kommt nach Hamburg. Haile Selassi benötigt Entwicklungshilfe für sein Land. [...] Selassi zeigt sich mit der deutschen Politprominenz, besucht Hafen und Werften, mit Erfolg. Schließlich ist seine symbolische Gegenleistung unbezahlbar, denn der Herrscher beschert der noch jungen Bundesrepublik den allerersten Staatsbesuch überhaupt nach Kriegsende." So schnell die Bundesrepublik die Spuren der Vergangenheit hinter sich lassen möchte, so deutlich sind sie aber im Hamburger Hafen sichtbar, ob über oder als Kriegswracks unter Wasser. Und so sind der alternde Taucher Paul Hinrichs und der aufstrebende Hamburger Hafen die eigentlichen Protagonisten dieses spannenden Romans; keine Lektüre nur für alternde Männer, selbst wenn es im Schlusskapitel heißt: "Wenn man selbst alt wird, dann beginnt man sich für das Alter der anderen zu interessieren."

01 February 2017

Bloodlands • Europa zwischen Hitler und Stalin

Meine Wertung

Muss man, kann man, sollte man das lesen?

Der Buchtitel lässt keinen Zweifel darüber, was den Leser auf den 523 Seiten dieses Buches erwartet. In dem abschließenden Kapitel "Zahlen und Begriffe" fasst es Timothy Snyder zusammen: "Die Zählung von vierzehn Millionen Opfern vorsätzlicher Mordmaßnahmen in den Ländern der Bloodlands ist die Summe aus folgenden Annäherungswerten, die im Haupttext und den Anmerkungen dokumentiert werden: 3,3 Millionen Sowjetbürger (hauptsächlich Ukrainer), die in der ukrainischen Sowjetrepublik 1932/33 von der eigenen Regierung vorsätzlich dem Hungertod preisgegeben wurden; 300 000 Sowjetbürger (hauptsächlich Polen und Ukrainer), die von der eigenen Regierung als Teil von rund 700 000 Opfern des Großen Terrors 1937/38 in der westlichen UdSSR erschossen wurden; 200 000 polnische Bürger (meist Polen), die von Deutschen und Sowjets zwischen 1939 und 1941 im besetzten Polen erschossen wurden; 4,2 Millionen Sowjetbürger (hauptsächlich Russen, Weißrussen und Ukrainer), die 1941 bis 1944 von den deutschen Besatzern dem Hungertod preisgegeben wurden; 5,4 Millionen Juden (die meisten polnische und sowjetische Bürger), die 1941 bis 1944 von den Deutschen erschossen oder vergast wurden, und 700 000 Zivilisten (hauptsächlich Weißrussen und Polen), die 1941 bis 1944 von den Deutschen bei 'Vergeltungsaktionen' erschossen wurden, die meisten in Weißrussland und Warschau." Das sind, wie der Autor an anderer Stelle richtig schreibt, nicht nur vierzehn Millionen Opfer, sondern vierzehn Millionen mal ein Menschenleben. "Jeder dokumentierte Tod deutet auf ein einzigartiges Leben, kann es aber nicht ersetzen. Wir müssen fähig sein, nicht nur die Zahl der Toten zu sehen, sondern jedes Opfer als Individuum wahrzunehmen." Ein Leser aber, der diese Fähigkeit hat, wird manches Mal versucht sein, das Buch wegzulegen. Das wäre schade, denn, man muss zwar nicht, aber, wenn man es kann, dann sollte man dieses Buch unbedingt lesen; nicht zuletzt eine Art der Respekterweisung gegenüber den Opfern!

19 January 2017

Bukovina or not Bukovina? • That is the Question!

I'd like to share with you a treasure recovered during my 2016 motorcycle ride to Bukovina, adding a challenge to you: Bukovina or not Bukovina? - That is the Question! These nine high resolution photos were scanned from photographic plates, which are over hundred years old.



 

As previously reported, I've recovered these glass plates from

17 December 2016

The Radautz Vital Records Index Database 1857 - 1929

During the summer of 2016, I traveled to Rădăuţi, Romania, and visited the Archives in the Town Hall. After some negotiations and with a little bit of luck, I was given permission to photograph Jewish vital records for the Rădăuţi, Solca, and Vicov communities of Bukovina; see my blog posting "Books of Seven Seals in Rădăuți and Suceava". The first database resulting from these efforts is The Radautz Marriage Index Database.

http://www.reisch-family.net/SevenSealsLukePHP/SevenSealsMarriages.html

Every society enlarges itself through marriages. When you are tracing your family history, this information can offer one of the most common missing links – a maiden name. All marriage records include the full names of the bride and groom as well as  the marriage date and other additional information, such as the names and birthplaces of each individual's parents. As part ONE of an ongoing project - birth & death records will come soon - The Radautz Marriage Index Database is a rich web resource for Jewish heritage in Bukovina. It contains over 3,000 properly indexed marriage records for the period 1870 - 1929.



Whether you are looking for an ancestor or trying to find a lost classmate, these records can provide a link to vital information and point you toward important clues. The free search provided by The Radautz Vital Records Index Database 1857 - 1929 can jumpstart your research project. Please check it out and let us have your comments…! bukovina.records@gmail.com

Our thanks go to Martina Lelgemann, who took care of the transcription, and to Bruce Reisch, who developed The Radautz Marriages search engine and website. Lucas Reisch provided php search engine expertise.

11 November 2016

Portnoys Beschwerden

Meine Wertung

Wo bleibt eigentlich der Nobelpreis für Literatur für...
 
... Philip Roth, den jüdisch/amerikanischen Autor, der mit seinem 1969 veröffentlichten Roman "Portnoys Beschwerden" weltweit Beachtung fand? Der Guardian aus London schrieb darüber: "Das bei weitem komischste Buch über Sex, das bisher geschrieben wurde." - Der Playboy aus New York antwortet darauf: "Ein Juwel der Komik".

Was denn nun, Sex oder Komik? Hören wir Alexander Portnoy auf der Couch seines Psychiaters Dr. Spielvogel zu und entscheiden dann selber: "Kennen Sie sonst noch jemand, dessen Mutter ihn wahr und wahrhaftig mit dem gefürchteten Messer bedrohte? Wem sonst war es beschieden, den Kastrationskomplex so unverblümt von seiner eigenen Momma geliefert zu bekommen. Wer sonst hatte, zusätzlich zu dieser Mutter, einen Hoden, der sich versteckte? Ein Ei, das man hätscheln und tätscheln, mit Medikamenten und guten Worten dazu bewegen mußte, herabzusteigen und im Skrotum zu leben, wie es sich gehört! Wen kennen Sie sonst noch, der sich auf der schicksen-Jagd ein Bein brach? Oder bei seinem ersten «Erlebnis» ins eigene Auge spritzte? Oder in den Straßen von New York auf ein wirkliches, lebendes Äffchen stieß, auf ein Mädchen mit der Leidenschaft für «die Banane»? Doktor, vielleicht träumen andere Patienten davon - bei mir geschieht alles. Mein Leben hat keine latenten Inhalte. Der Traum ist Realität." 

Bei Vladimir Nabokov und John Updike hat das Nobelpreiskomitee versagt, bei Philip Roth wäre es noch Zeit, wenn auch vermutlich nicht so lange, bei einem 1933 geborenen Schriftsteller. Wie lange also muss dieser große Autor auf den längst fälligen, wie die Portnoys sagen würden, "gojischen" Literaturnobelpreis eigentlich noch warten?