21 May 2008

Karl Lueger zum Trotz!

(Wien, 19.05.08 - 21.05.08) Die erste Station meiner Forschungs- und Entdeckungsreise auf den Spuren der Vergangenheit ist Wien. Hier regnet es Hunde und Katzen. Was also tun? Vielleicht die altehrwürdige Universität Wien besuchen!

Die Universität hat - aus meiner Sicht ein Skandal und zur Schande der Wiener Stadtverwaltung - ihren Hauptsitz an dem Dr.-Karl-Lueger-Ring. Karl Lueger war ein Wiener Bürgermeister und bekannter Antisemit, auf den sich auch Adolf Hitler gerne berief:

"Jedenfalls lernte ich langsam den Mann und die Bewegung kennen, die damals Wiens Schicksal bestimmten: Dr. Karl Lueger und die christlich-soziale Partei. Als ich nach Wien kam, stand ich beiden feindselig gegenüber. Der Mann und die Bewegung galten in meinen Augen als 'reaktionär'. Das gewöhnliche Gerechtigkeitsgefühl aber mußte dieses Urteil in eben dem Maße abändern, in dem ich Gelegenheit erhielt, Mann und Werk kennenzulernen; und langsam wuchs die gerechte Beurteilung zur unverhohlenen Bewunderung. Heute sehe ich in dem Manne mehr noch als früher den gewaltigsten deutschen Bürgermeister aller Zeiten." (Adolf Hitler: Mein Kampf, Seite 54-65)

Vielleicht auch deshalb findet man in der Eingangshalle der Universität eine Inschrift, die an die Freiheit der Wissenschaft und Einhaltung der Menschenrechte erinnert. Wir aber erinnern uns: Es regnet ununterbrochen in Wien. Selbst im Festsaal der Universität traue ich mich nicht, den Schirm wegzulegen und warte brav, aber vergebens auf Professoren und Kommilitonen.

Wo sind die alle? Im großen Lesesaal der Universität werde ich schließlich fündig.

Hier sitzen wissbegierige junge Menschen aus aller Welt und lernen hoffentlich - Karl Lueger zum Trotz - sinnvolle Inhalte; ich habe nur einen einzigen schlafen sehen.

Auf die Gefahr hin, den Altersdurchschnitt im Lesesaal deutlich anzuheben, habe ich mich dennoch dazugesetzt und einen genealogischen Schatz gehoben.

Das 99 Jahre alte Adressbuch enthält neben einer Vielzahl wertvoller Informationen über die Bukowina, auch Namen und Berufe der Einwohner von Czernowitz. Ich habe darin Urgroßväter, Urgroßonkel, etc. gefunden und kann heute schon sagen, dass ich u. a. Couturiers=Schneider, Eisenbahnvorstände und Restaurantbetreiber in der Verwandtschaft habe. Bleibt dabei und lasst euch überraschen, was die weiteren Entdeckungen ans Tageslicht fördern werden!

3 comments:

Klaus Binder said...

Hi Edgar...

Das geht ja wieder fix. Yavash, yavash, (langsam, langsam) wie eventuell sehr weit entfernte Verwandte sagen würden. Ich sitze mehr im Norden (Berlin) auf dem PC-Hocker und schleiche mich von ganz unten (Türkei) an "unser" Ziel heran. Durch einen Zufall hab ich einen israelischen Verein türkischstämmiger Juden gefunden.
http://turkisrael.org/TurkishMain

Bekanntlich gehörte die Bukowina mal zum osmanischen Reich. Außerdem sind Menschen jüdischen Glaubens über viele Jahrhunderte in das osmanischen Reich und später in die türkische Republik geflüchtet. Daraus resultiert eine einzigartige freundschaftliche Beziehung zwischen der Türkei und Israel.

Klaus, die Nachhut aus Berlin... "bis gleich".

Anonymous said...

Ja, das ist mir bekannt! Ich selbst besitze eine Kopie dieses Kalenders (Dr. Anton Norst 1895 gegründet) von 1914, Redaktionsschluss 1913. Nur anhand dieses Verzeichnisses ließ sich feststellen, wer seinerzeit in der Lehmgasse wohnte.

Schwieriger wird es mit der Verzeichnissen aus der Rumänenzeit. Es gibt meines Wissens nur eines aus den 1920ern. Wissen Sie mehr?

Herzlichen Gruß
Othmar Andree
www.czernowitz.de

Edgar Hauster said...

Hallo Othmar,

schön, dass Sie meinen Blog besucht haben. Noch sind mir keine rumänischen Adressbücher bekannt, aber ich werde morgen den ganzen Tag im Staatsarchiv von Suceava verbringen (Cz folgt später). Vielleicht bekomme ich etwas heraus; falls ja, dann werde ich es natürlich publizieren.

Viele Grüße nach Berlin!